// Leitfaden · Begutachtung vorbereiten

Die Pflegegrad-Begutachtung: vorbereitet, belegt, nachvollziehbar.

Wenn der Medizinische Dienst kommt, zählt, was im Alltag wirklich an Hilfe nötig ist, auch beim Verbandwechsel. So sammeln Sie die Belege aus der Dokumentation, bereiten Pflegebedürftige und Angehörige vor und vergessen nichts Wesentliches.

begutachtung: auf einen blick
wer       → Medizinischer Dienst · privat: Medicproofwas       → Selbständigkeit in 6 Modulenergebnis  → Punktwert → Pflegegrad 1–5wunde     → zählt über Verbandwechsel + Häufigkeitdanach    → Gutachten prüfen · Widerspruch möglich
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Worum es bei der Begutachtung geht

Wer Leistungen der Pflegeversicherung nach SGB XI beantragt, wird begutachtet: bei gesetzlich Versicherten durch den Medizinischen Dienst, bei privat Versicherten durch Medicproof. Meist ist das ein Hausbesuch. Gefragt wird nicht nach Diagnosen, sondern danach, wie selbständig jemand im Alltag ist und wobei Hilfe nötig ist.

Für Menschen mit chronischen Wunden heißt das: Nicht die Wunde zählt, sondern die Versorgung, die sie braucht. Wie oft verbunden wird, wer komprimiert, wie oft es zur Ärztin geht. Genau das steht in einer guten Wunddokumentation.

02

Die sechs Module

Das Begutachtungsinstrument fragt die Selbständigkeit in sechs Lebensbereichen ab. Die Module werden unterschiedlich gewichtet; aus der Bewertung ergibt sich ein Punktwert, und der entscheidet über den Pflegegrad.

Modul 1
Mobilität

Fortbewegen in der Wohnung, Aufstehen, Umsetzen, Treppensteigen, eine stabile Sitzposition halten.

Modul 2
Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Personen erkennen, sich örtlich und zeitlich orientieren, sich erinnern, Gespräche verstehen und Bedürfnisse mitteilen.

Modul 3
Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Nächtliche Unruhe, Ängste, Antriebslosigkeit, Abwehr von Pflege oder anderer Hilfe.

Modul 4
Selbstversorgung

Waschen, Duschen, An- und Auskleiden, Essen und Trinken, Toilettengang.

Modul 5
Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Medikamente, Verbandwechsel und Wundversorgung, Kompression, Arztbesuche. Hier zählt ausdrücklich, wie oft Hilfe nötig ist.

Modul 6
Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Den Tag planen, sich beschäftigen, Kontakte pflegen, Ruhen und Schlafen.

03

Wo es hakt

Der „gute Tag“

Viele Pflegebedürftige wollen beim Besuch zeigen, was sie noch können. Was sonst nur mit Hilfe klappt, bleibt dann unerwähnt.

Der Verbandwechsel fehlt

Wundversorgung läuft oft so selbstverständlich mit, dass sie im Gespräch vergessen wird, samt Häufigkeit und Aufwand.

Belege sind verstreut

Verordnungen bei der Praxis, Leistungsnachweise beim Pflegedienst, Notizen bei den Angehörigen. Am Termin liegt davon wenig auf dem Tisch.

Nachts sieht es niemand

Unruhe, Stürze oder abgezogene Verbände passieren selten dann, wenn der Gutachter da ist. Ohne Notizen bleiben sie unsichtbar.

04

Die Begutachtungsmappe

Sortieren Sie die Belege aus der Dokumentation einer fiktiven Patientin in die sechs Module. Manche gehören nicht in die Mappe, und manche landen woanders, als man zuerst denkt. Am Ende zeigt die Prüfung, welches Modul noch ohne Beleg ist.

Interaktiv · Mappe
Beleg1 / 15
Leistungsnachweis · Verordnung

„Verbandwechsel 3× pro Woche durch den Pflegedienst, Verordnung liegt vor“

Wohin gehört dieser Beleg?

Mappe · Frau B.0 beiseitegelegt
Modul 5 · Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
Verbandwechsel, Medikamente, Kompression, Arztbesuche · jeweils wie oft
  • Noch kein Beleg in diesem Modul.
Fiktive Person · Frau B., 82 · vereinfacht, ersetzt keine Beratung
05

Vorbereitung in drei Schritten

  1. 01

    Belege sammeln

    Verordnungen, Arztberichte, Medikationsplan und die Pflegedokumentation mit Häufigkeit der Wundversorgung, am besten nach Modulen sortiert.

  2. 02

    Tagebuch führen

    Einige Tage vor dem Termin kurz notieren, wobei und wie oft geholfen wird, auch nachts. Kurz und ehrlich genügt.

  3. 03

    Gemeinsam am Termin

    Angehörige oder die Bezugspflegekraft sind dabei, ergänzen und korrigieren, wenn aus Stolz etwas schöner erzählt wird.

Nach dem Termin: Lassen Sie sich das Gutachten geben und vergleichen Sie es mit Ihrer Mappe. Passt das Ergebnis nicht, ist ein Widerspruch gegen den Bescheid möglich, innerhalb der Frist, die im Bescheid steht. Wie Angehörige dabei unterstützen, steht im Leitfaden Angehörige; die Sicht des Pflegedienstes im Leitfaden Ambulante Pflege.

06

Wo die Module ansetzen

07

So gehen wir vor

01 · ANALYSIEREN

Wir schauen, wo Verordnungen, Leistungsnachweise und Wundverlauf heute liegen und wie lange es dauert, sie für einen Termin zusammenzustellen.

02 · MIGRIEREN

Die Dokumentation zieht schrittweise in eine Cloud in der EU, mit dem Einverständnis und der Akzeptanz der Mitarbeitenden. Die Pflegesoftware bleibt.

03 · KI GEZIELT EINSETZEN

Erst dann kommt KI dazu, etwa um Belege für eine Mappe vorzusortieren. Die fachliche Prüfung bleibt bei der Pflegefachkraft.

08

Häufige Fragen

Wer führt die Begutachtung durch?

Für gesetzlich Versicherte in der Regel der Medizinische Dienst im Auftrag der Pflegekasse, für privat Versicherte Medicproof. Das Vorgehen ist vergleichbar: In der Regel kommt eine Gutachterin oder ein Gutachter zu einem Termin nach Hause.

Wird die Wunde selbst begutachtet?

Nicht im Sinne einer Wundbeurteilung. Für die Einstufung zählt der Hilfebedarf, also zum Beispiel, wie oft ein Verbandwechsel nötig ist und wer ihn übernimmt. Die Wunddokumentation hilft, genau das zu belegen.

Kann ich ausrechnen, welcher Pflegegrad herauskommt?

Nur grob. Die Module werden unterschiedlich gewichtet, und aus der Bewertung ergibt sich ein Punktwert, der über den Pflegegrad entscheidet. Verlässlich ist erst das Gutachten.

Was tun, wenn das Ergebnis nicht passt?

Lassen Sie sich das Gutachten geben und prüfen Sie es Modul für Modul. Gegen den Bescheid der Pflegekasse ist ein Widerspruch möglich. Die Frist steht im Bescheid; halten Sie sie ein und begründen Sie mit Belegen.

Ersetzt WUNDigital die Pflegesoftware?

Nein. Wir sorgen dafür, dass die Dokumentation, die ohnehin entsteht, schnell auffindbar und exportierbar ist, ohne Ihre Pflege- oder Praxissoftware zu ersetzen.

Vereinfachte Darstellung, ersetzt keine Pflegeberatung und keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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