// Leitfaden · Wunddokumentation

Wunddokumentation, die trägt: in der Versorgung und bei der Prüfung.

Eine gute Wunddokumentation hilft der Therapie, der Zusammenarbeit und der Abrechnung. Was hineingehört, wie sie schnell geht, und wie Sie Lücken sehen, bevor jemand anderes sie findet.

wundeintrag: was drinstehen muss
wunde       → art, ursache, lage, seit wannmaße        → länge × breite, tiefe, feste regelwundbild    → gewebe, exsudat, geruch, rand, umgebungwarnzeichen → infektion, schmerzfoto        → gleiche bedingungen, maßstab, einwilligungplan        → therapie, wechsel, warum, nächste evaluationnachweis    → wer, wann · korrekturen sichtbar
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Wozu die Dokumentation da ist

Eine chronische Wunde sieht selten nur eine Person. Die Pflegefachkraft wechselt den Verband, die Hausarztpraxis verordnet, der Homecare-Versorger liefert, das Wundzentrum beurteilt alle paar Wochen. Jeder Eintrag wird also vor allem von Menschen gelesen, die nicht dabei waren. Und manchmal von jemandem, der Monate später prüft, ob alles seine Ordnung hatte.

Therapie entscheiden

Ob eine Behandlung wirkt, zeigt nur der Vergleich: Größe, Gewebe, Exsudat und Schmerz heute gegen die letzte Beurteilung. Fehlen die Werte, wird aus dem Verlauf ein Bauchgefühl.

Übergeben

Praxis, Pflegedienst, Homecare-Versorger und Wundzentrum sehen dieselbe Wunde zu verschiedenen Zeiten. Der Eintrag muss sich so lesen lassen, als wäre man beim Verbandwechsel dabei gewesen.

Verordnungen begründen

Wundauflagen müssen wirtschaftlich und nachvollziehbar verordnet sein. Wird eine Verordnung geprüft, oft lange nach der Behandlung, zählt, was dasteht: Befund, Verlauf und der Grund für die Wahl.

Rechtlich absichern

Für Behandelnde schreibt das BGB eine zeitnahe Patientenakte vor (§ 630f BGB). Ist eine gebotene Maßnahme nicht dokumentiert, wird im Streitfall vermutet, dass sie nicht stattgefunden hat. Auch in der Pflege ist die Dokumentation der Nachweis der Versorgung.

Wie die Beteiligten zusammenspielen, beschreibt der Leitfaden Schwerpunkt Wundversorgung. Hier geht es um den einzelnen Eintrag: Was muss drinstehen, damit er trägt?

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Was hineingehört, vereinfacht

Den fachlichen Rahmen setzt in der Pflege der Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), ergänzt durch Leitlinien und die Verfahrensregeln Ihrer Einrichtung. Er verlangt ein Assessment, das über die Wunde hinausgeht, und eine regelmäßige Prüfung, ob die Maßnahmen wirken. Die folgenden Parameter sind in der Praxis üblich. In der Mitte steht jeweils eine tragfähige Formulierung aus einem fiktiven Eintrag, kein Normwert.

Wunde & Ursache
Ulcus cruris venosum · Ursache abgeklärt · seit 4 Monaten

Wundart, medizinische Ursache, Entstehung, Dauer und bisherige Therapie. Die Ursache bestimmt die Behandlung, nicht die Wunde allein.

Lokalisation
Unterschenkel links, innen · 3 cm über dem Innenknöchel

Körperseite, Region und ein fester Bezugspunkt. So findet auch die Vertretung genau diese Wunde, gerade wenn es mehrere gibt.

Größe
3,2 × 2,1 cm · Tiefe 0,4 cm · Einmal-Lineal

Länge und Breite in Zentimetern nach einer festen Regel, die Tiefe an der tiefsten Stelle, etwa mit sterilem Watteträger. Taschen nach der Uhr beschreiben, 12 Uhr zeigt zum Kopf. Statt „ca. 3 cm“.

Wundgrund
Granulation 70 % · Fibrinbelag 30 % · keine Nekrose

Die Gewebearten und ihr ungefährer Anteil an der Fläche. Statt „sieht besser aus“: Woran besser? Mehr Granulation, weniger Belag?

Exsudat
Menge mäßig · serös

Menge, etwa gering, mäßig oder stark, und Art, etwa serös, blutig oder eitrig. Statt „nässt etwas“. Ob der Verband durchnässt war, hilft zusätzlich.

Geruch
Nach der Reinigung kein Geruch

Vorhanden oder nicht, beurteilt nach der Wundreinigung. Neuer oder stärkerer Geruch kann ein Warnzeichen sein.

Wundrand & Umgebung
Rand flach, zum Teil mazeriert · Haut trocken, schuppig

Der Rand etwa flach, wulstig, unterminiert oder mazeriert. Die Umgebung etwa gerötet, geschwollen, trocken oder aufgeweicht.

Infektionszeichen
Keine Rötung, Überwärmung, Schwellung

Benennen, was geprüft wurde: Rötung, Überwärmung, Schwellung, zunehmender Schmerz, mehr oder eitriges Exsudat, Geruch, stockende Heilung. „o. B.“ sagt nicht, worauf geachtet wurde.

Schmerz
NRS 2/10 in Ruhe · 5/10 beim Verbandwechsel

Stärke auf einer Skala, etwa der numerischen Rating-Skala von 0 bis 10, in Ruhe und beim Verbandwechsel. Dazu, was den Alltag einschränkt und was hilft.

Foto
Senkrecht · gleicher Abstand · Lineal im Bild

Gleiche Bedingungen wie beim letzten Mal, Maßstab im Bild, Datum und eindeutige Kennung statt Namen. Ob eine Einwilligung eingeholt wird oder eine andere Rechtsgrundlage trägt, legt Ihre Einrichtung fest. Dokumentiert wird es in jedem Fall.

Therapie & Verbandwechsel
Reinigung · Schaumverband · Wechsel alle 3 Tage · Kompression

Was gemacht wurde, womit, in welchem Intervall und warum. Die Begründung ist der Satz, der eine Verordnung bei einer späteren Prüfung erklärt. Statt „VW wie gehabt“.

Nächste Evaluation
Beurteilung am 28.10. · Fläche und Belag im Vergleich

Ein Datum und ein Maßstab, an dem sich zeigt, ob die Therapie wirkt. Sonst endet der Plan beim Verband.

Wer & wann
14.10., 09:40 Uhr · S. K., Pflegefachkraft

Datum, Uhrzeit und Handzeichen. Nachträge und Korrekturen so, dass der ursprüngliche Eintrag und der Zeitpunkt der Änderung erkennbar bleiben.

Als Gedankenstütze für die Wunde selbst ist das T.I.M.E.-Schema verbreitet: Tissue (Gewebe), Infection/Inflammation (Infektion, Entzündung), Moisture (Feuchtigkeit, Exsudat) und Edge (Wundrand). Es ordnet die Beobachtung, ersetzt aber kein Assessment: Ursache, Schmerz, Alltag und Plan kommen darin nicht vor.

Vereinfacht dargestellt, keine medizinische Beratung. Maßgeblich sind der Expertenstandard, die einschlägigen Leitlinien, die ärztliche Anordnung und die Standards Ihrer Einrichtung. Wie man Länge, Breite und Fläche einheitlich misst, zeigt der Leitfaden Wundzentren.

03

Wo es hakt: typische Lücken

Selten fehlt das Wissen. Meist fehlt ein halber Satz, der beim Verbandwechsel selbstverständlich war:

Wertung statt Befund

„Besser“, „unverändert“, „o. B.“: Das ist eine Einschätzung, kein Befund. Ohne Werte dahinter kann niemand nachvollziehen, worauf sie beruht.

Kürzel für Eingeweihte

„VW wie gehabt“ versteht, wer gestern dabei war. Hauseigene Abkürzungen gehen bei der Übergabe an Pflegedienst oder Praxis verloren.

Wechsel ohne Warum

Die Auflage wurde gewechselt, der Grund steht nirgends. Spätestens wenn eine Verordnung geprüft wird, fehlt genau dieser Satz.

Plan ohne Termin

Der Eintrag endet beim Verband. Wann geprüft wird, ob die Therapie wirkt, und woran, bleibt offen.

Kopiert statt beurteilt

Der Text vom letzten Mal, unverändert übernommen. Das spart eine Minute und sagt nichts über heute. Alte Befunde wandern so unbemerkt weiter.

Nur die Wunde, nicht der Mensch

Größe und Gewebe stehen da, Schmerz und Alltag nicht. Der Expertenstandard stellt gerade die Einschränkungen in den Mittelpunkt, die Wunde und Therapie für den Menschen bedeuten.

04

Der Vollständigkeits-Radar

Ein fiktiver Verlaufseintrag mit zwölf Feldern: manche vollständig, manche leer, manche vage. Der Radar zeigt je Parametergruppe, wie vollständig der Eintrag ist. Tippen Sie auf eine schwache Stelle, übernehmen Sie eine bessere Formulierung und sehen Sie zu, wie die Form wächst. Der Prüfer-Blick zeigt, was jemand von außen fragen würde. Im Diktat-Vorschlag wird ein gesprochener Text in Felder zerlegt, und Sie bestätigen jedes einzeln.

Interaktiv · Wunddokumentation

Tippen Sie auf einen roten Punkt im Radar oder auf ein Feld und ergänzen Sie, was fehlt.

Vollständigkeit19 %
50
Eintrag vorherjetzt
Wundeintrag · VerlaufPatientin A. · 78 J. · fiktiv
Schwächste Stelle

25 Angaben fehlen noch. Schalten Sie den Prüfer-Blick ein, um zu sehen, was jemand von außen fragen würde.

Fiktiver Eintrag · vereinfacht · keine medizinische Beratung

Der Radar zählt, ob etwas dasteht, nicht ob es fachlich stimmt. Das bleibt die Aufgabe der Fachkraft, die die Wunde gesehen hat. Aber er macht sichtbar, was sonst erst bei der Übergabe oder bei einer Prüfung auffällt.

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Schneller, ohne dünner zu werden

Vollständig heißt nicht langsam. Vier Hebel nehmen Tipparbeit ab, ohne dass etwas verloren geht:

Strukturierte Formulare

Feste Felder mit Auswahllisten für Gewebe, Exsudat und Wundrand, Pflichtfelder für Größe, Plan und Evaluation. Was fehlt, fällt beim Speichern auf, nicht erst bei der Prüfung.

Diktat in Felder

Die Beschreibung sprechen statt tippen, direkt nach dem Verbandwechsel. Die Software verteilt das Gesagte auf die Felder, die Fachkraft bestätigt jedes einzelne.

Foto mit Messhilfe

Lineal oder Messkarte im Bild, dieselbe Perspektive wie beim letzten Mal. Länge, Breite und Fläche lassen sich am Foto nachmessen, statt sie zu schätzen.

Vorbefüllt vom letzten Termin

Lage, Wundart, Therapie und Intervall stehen schon da, geändert wird, was sich geändert hat. Übernommene Werte bleiben als übernommen markiert, bis jemand sie bestätigt.

Am meisten Zeit spart die Vorbefüllung, und sie hat die tückischste Falle: Ein Wert vom letzten Termin sieht genauso aus wie ein heute geprüfter. Probieren Sie es aus:

Interaktiv · Vorbefüllung
Heute gesehen · 28.10.
  • Gemessen: 2,8 × 1,9 cm, Tiefe 0,3 cm
  • Belag deutlich weniger, ca. 15 %
  • Exsudat gering, serös
  • Schmerz beim Wechsel 3 von 10
  • Lage, Wundart und Therapie wie zuletzt

Das weiß nur, wer heute an der Wunde war. Das Formular rechts kennt nur den 14.10.

Neuer Eintrag · 28.10.0/7 geprüft
  • Lokalisationübernommen vom 14.10.Unterschenkel links, innen, 3 cm über dem Innenknöchel
  • Wundartübernommen vom 14.10.Ulcus cruris venosum
  • Wundgrößeübernommen vom 14.10.3,2 × 2,1 cm, Tiefe 0,4 cm
  • Wundgrundübernommen vom 14.10.Granulation ca. 70 %, Fibrinbelag ca. 30 %
  • Exsudatübernommen vom 14.10.Menge mäßig, serös
  • Therapieübernommen vom 14.10.Schaumverband, Wechsel alle 3 Tage, Kompression
  • Schmerzübernommen vom 14.10.NRS 5/10 beim Verbandwechsel

Vergleichen Sie jedes Feld mit dem, was heute gesehen wurde. Gespeichert wird erst, wenn alle geprüft sind.

Fiktiver Verlauf · vereinfacht · keine medizinische Beratung

Ein Mensch prüft immer. Diktat, Vorbefüllung und Vermessung schlagen vor. Was in der Akte steht, verantwortet die Fachkraft, die die Wunde gesehen hat. Deshalb gehört zu jedem automatisch erzeugten Wert ein sichtbarer Schritt, an dem jemand ihn bestätigt.

Wie sich Sprechen statt Tippen anfühlt, zeigt die Diktat-Demo, die Vermessung am Foto der Wundverlauf-Vermesser.

06

Wo die Module ansetzen

07

So gehen wir bei der Wunddokumentation vor

  1. 01

    Analysieren

    Wir legen Ihre Wundbögen, Formulare und Softwaremasken nebeneinander und begleiten einen Verbandwechsel: Welche Felder gibt es, welche werden genutzt, wo wird frei formuliert, wo doppelt erfasst?

  2. 02

    Migrieren

    Wunddokumentation, Fotos und Verlauf ziehen schrittweise in eine strukturierte Cloud-Akte in europäischen Rechenzentren, mit Einverständnis und Akzeptanz des Teams. Die Formulare entstehen mit den Menschen, die sie ausfüllen.

  3. 03

    KI gezielt integrieren

    Dann kommt KI dazu, wo sie Tipparbeit abnimmt: Diktat in Felder, Vorbefüllung vom letzten Termin, Hinweise auf fehlende Angaben. Jeder Vorschlag wird bestätigt, bevor er in der Akte steht.

Mehr zu unserem Vorgehen

08

Häufige Fragen

Bewertet der Vollständigkeits-Radar die Qualität der Versorgung?

Nein. Die Demo zählt nur, ob Angaben vorhanden sind. Ob eine Wunde richtig beurteilt und behandelt wurde, kann sie nicht sagen, und sie gibt keine medizinischen Empfehlungen. Das bleibt bei der Fachkraft, die die Wunde gesehen hat.

Gibt es eine verbindliche Liste, was in die Wunddokumentation gehört?

Den fachlichen Rahmen setzen der Expertenstandard des DNQP und die Leitlinien der Fachgesellschaften. Was genau in Ihren Formularen steht, legt Ihre Einrichtung fest, oft abgestimmt mit Ärztinnen, Ärzten und Kooperationspartnern. Die Parameter auf dieser Seite sind eine vereinfachte Übersicht.

Wie oft muss ausführlich dokumentiert werden?

Bei jedem Verbandwechsel kurz, in festgelegten Abständen ausführlich, nach den Vorgaben Ihrer Einrichtung und dem ärztlichen Plan. Entscheidend ist, dass die nächste Evaluation mit Datum und Maßstab im Eintrag steht.

Dürfen wir Felder aus dem letzten Eintrag übernehmen?

Ja, wenn sie geprüft werden. Vorbefüllung spart Zeit bei allem, was sich nicht ändert. Übernommene Werte sollten erkennbar sein, bis jemand sie bestätigt, sonst wird der alte Befund unbemerkt zum neuen.

Wie korrigieren wir einen Eintrag richtig?

Ergänzen statt überschreiben: Der ursprüngliche Inhalt und der Zeitpunkt der Änderung sollten erkennbar bleiben. Für die Patientenakte schreibt das BGB das ausdrücklich vor. In einer digitalen Akte lösen das Versionen mit Zeitstempel.

Ersetzt WUNDigital unsere Dokumentationssoftware?

Nein. Wir bauen um Ihre Praxis- oder Pflegesoftware herum: strukturierte Felder, Schnittstellen, Diktat und Prüfhilfen dort, wo heute frei formuliert, abgetippt oder gefaxt wird. Welche Software bleibt, entscheiden Sie.

Sie möchten wissen, wo Ihre Wunddokumentation heute Lücken hat? Erstgespräch vereinbaren

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