// Leitfaden · Phishing erkennen

Ein Klick zu viel: Phishing erkennen, bevor es teuer wird.

Gefälschte Rechnungen, angebliche Kassen-Nachrichten, ein dringender Link vom „Chef“: Angriffe kommen fast immer per E-Mail. Üben Sie an einem Posteingang voller Fallen, woran Sie Betrug erkennen und was Sie im Zweifel tun.

phishing: die kurzform
absender   → adresse lesen, nicht den anzeigenamenlinks      → ziel prüfen, domain von rechts lesenanhänge    → unerwartet? erst fragen, dann öffnenpasswort   → nie über einen link aus einer mailbankdaten  → rückruf über die bekannte nummerim zweifel → melden. lieber einmal zu oft
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Warum E-Mail das Einfallstor ist

Firewalls, Updates und Backups schützen die Technik. Eine E-Mail dagegen landet direkt bei Menschen, die viel zu tun haben, und sie braucht nur einen Klick. Deshalb ist Phishing auch im Gesundheitswesen ein häufiger Anfang von Angriffen: gestohlene Zugangsdaten, Schadsoftware, falsche Überweisungen. Angreifer kennen den Alltag von Praxen, Pflegediensten und Wundzentren erstaunlich gut.

Rechnungen und Lieferanten

Eine bekannte Firma, eine echte Bestellnummer, nur die Bankverbindung ist neu. Oft stammt die Mail sogar aus dem gekaperten Postfach des Lieferanten.

Kassen, Portale, Behörden

„Abrechnung zurückgewiesen“, „Konto gesperrt“, „Nachweis fehlt“: Der Link führt zu einer täuschend ähnlichen Login-Seite.

TI- und IT-Hinweise

„KIM-Postfach voll“, „Zertifikat läuft ab“, „Datenschutz-Update“: technisch klingende Warnungen, die zum schnellen Klick drängen.

Die Chef-Masche

Die Leitung „schreibt“ aus dem Termin und braucht sofort eine Überweisung oder Gutscheinkarten, bitte ohne Rückruf.

Bewerbungen mit Anhang

Personal wird überall gesucht, Bewerbungen werden gern geöffnet. Gepackte Dateien oder Dokumente mit Makros sind ein bekannter Weg für Schadsoftware.

Paket und Zustellung

Eine kleine Gebühr für eine Sendung, die niemand erwartet. Gemeint sind Ihre Zahlungsdaten.

Die gute Nachricht: Fast jede dieser Mails verrät sich, wenn man weiß, wohin man schauen muss. Das lässt sich üben, und genau dafür ist der nächste Abschnitt da.

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Der Posteingang am Montag

Montagmorgen, Verwaltung eines Pflegedienstes, zehn neue Mails. Einige sind echt, einige nicht, eine verlangt einen Anruf. Prüfen Sie Absender, Links und Anhänge, dann entscheiden Sie. Klicken Sie ruhig auch einmal auf einen Köder: In der Übung passiert nichts, außer dass Sie sehen, was passiert wäre.

Interaktiv · Posteingang

Ordnen Sie jede Mail ein. Prüfen Sie vorher Absender, Links und Anhänge.

Tastatur: ↑/↓ Mail · A Absender · E/P/R entscheiden · N weiter

EINGEORDNET0/10
  • Ihre Krankenkasse · Abrechnung09:41Abrechnung zurückgewiesen – Handlungsbedarf innerhalb von 24 StundenSehr geehrter Leistungserbringer, Ihre letzte Abrechnung konnte nicht verarbeitet werden …
  • Dr. Petra Lindner09:20Kurze Bitte – bin im TerminHallo, ich sitze noch in einer Besprechung und brauche schnell Ihre Hilfe …
  • MediVerband Buchhaltung09:02Rechnung 26-1043 · Wichtig: neue BankverbindungSehr geehrte Damen und Herren, anbei erhalten Sie die Rechnung 26-1043 für die Lieferung …
  • Hausarztpraxis Dr. Okafor08:47Fallbesprechung Mittwoch, 14 Uhr – BestätigungGuten Morgen Frau Brandt, wie am Freitag telefonisch besprochen, bestätigen wir …
  • KIM Support08:30Ihr KIM-Postfach ist voll – neue Nachrichten werden abgewiesenIhr KIM-Postfach hat die Speichergrenze erreicht. Eingehende Befunde werden abgewiesen …
  • Paketdienst · Zustellung08:12Zustellung fehlgeschlagen: Ihre Sendung wartetHallo, wir konnten Ihre Sendung heute nicht zustellen. Für die erneute Zustellung …
  • Jana Wolff · Pflegedienstleitung07:55Dienstplan KW 43 liegt im TeamordnerLiebe Kolleginnen und Kollegen, der Dienstplan für die nächste Woche liegt wie immer …
  • IT-Service Lindenhof07:31Datenschutz-Update: Bestätigung bis heute erforderlichWegen neuer Datenschutzvorgaben müssen alle Konten bis heute neu bestätigt werden …
  • MediVerband Kundenservice16:05Lieferschein zu Ihrer Bestellung 26-0981Sehr geehrte Frau Brandt, vielen Dank für Ihre Bestellung vom Donnerstag …
  • IT-Service Lindenhof14:20Wartung am Dienstag, 7–8 Uhr: keine Aktion nötigLiebe Kolleginnen und Kollegen, am Dienstag zwischen 7 und 8 Uhr spielen wir Updates ein …

Abrechnung zurückgewiesen – Handlungsbedarf innerhalb von 24 Stunden

Ihre Krankenkasse · AbrechnungEXTERNMo 09:41 · an verwaltung@lindenhof-pflege.example
Anzeigename
Ihre Krankenkasse · Abrechnung
Adresse
noreply@kasse-service.example
Antwort an
= Absender
Adressbuch
Nicht im Adressbuch · noch nie Kontakt

Sehr geehrter Leistungserbringer,

Ihre letzte Abrechnung konnte aufgrund fehlerhafter Angaben nicht verarbeitet werden. Bestätigen Sie die Angaben nicht innerhalb von 24 Stunden, wird die Zahlung einbehalten.

Bitte melden Sie sich zur Bestätigung im Abrechnungsportal an:

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Abrechnungsservice

Zeigen Sie auf einen Link oder Anhang: Hier steht, wohin er wirklich führt.
Fiktive Mails, Namen und Domains (.example) · Links und Anhänge öffnen in der Übung nichts

„Rückfrage auf anderem Weg“ ist keine Ausrede, sondern oft die beste Antwort. Eine Mail kann aus einem echten, aber gekaperten Postfach kommen. Dann hilft nur ein zweiter Kanal, den der Angreifer nicht kontrolliert: das Telefon mit der bekannten Nummer oder das Gespräch auf dem Flur.

03

Die sieben Zeichen

Keines dieser Zeichen beweist für sich allein einen Betrug. Treffen zwei oder drei zusammen, ist Vorsicht Pflicht.

ZEICHEN 01
Anzeigename ist nicht Adresse

„KIM Support“ oder der Name Ihrer Chefin sagt nichts. Entscheidend ist die Adresse dahinter und, bei Antworten, das Feld „Antwort an“.

ZEICHEN 02
Fast die richtige Domain

lindenhof-pflege-support statt lindenhof-pflege, eine 1 statt eines l, ein kyrillisches о statt eines lateinischen o. Lesen Sie die Domain von rechts.

ZEICHEN 03
Link-Text ist nicht Link-Ziel

Der Knopf sagt „Zum Portal“, das Ziel steht erst in der Statuszeile, wenn Sie mit der Maus darauf zeigen oder lange darauf tippen.

ZEICHEN 04
Druck und Drohung

Fristen von wenigen Stunden, gesperrte Konten, Lieferstopp, verlorene Befunde: Wer Angst hat, prüft weniger.

ZEICHEN 05
Ungewöhnliche Bitte

Gutscheinkarten, eine neue Bankverbindung, ein Passwort, eine „Kontobestätigung“: Seriöse Stellen fragen so etwas nicht per Mail ab.

ZEICHEN 06
Geheimhaltung, kein Rückruf

„Bitte nicht anrufen“, „noch niemandem erzählen“: Genau der zweite Weg, der den Betrug auffliegen ließe, soll verhindert werden.

ZEICHEN 07
Seltsame Anhänge

Doppelte Endungen wie „.pdf.exe“, gepackte Archive, Dokumente, die „Bearbeitung aktivieren“ verlangen. Unerwartet heißt: erst fragen.

UND IM ZWEIFEL
Nicht klicken, melden.

Eine gemeldete echte Mail kostet eine Minute. Ein Klick auf eine falsche kann Tage kosten.

Links lesen ist eine Technik, kein Talent. Eine Webadresse wird von rechts gelesen: Vor der Endung steht die registrierte Domain, und nur sie sagt, wem die Seite gehört. Alles davor ist frei wählbar, alles danach ebenso. Zerlegen Sie ein paar Beispiele:

Interaktiv · Link-Röntgen

Wählen Sie ein Beispiel oder fügen Sie eine Adresse ein. Das Röntgenbild zeigt, wohin sie wirklich führt.

https://Protokollmeine-kasse.example.Subdomainkonto-check.exampleHierhin geht es/loginPfad

Ziel: konto-check.example · 2 Warnzeichen

  • Name nur als Subdomain

    „meine-kasse.example“ ist frei wählbar. Entscheidend ist der Teil direkt vor der Endung: konto-check.example.

  • Lockwort in der Domain

    Wörter wie „login“, „konto“ oder „upgrade“ in der Domain sollen Vertrauen erzeugen.

  • https allein beweist nichts

    Das Schloss heißt nur: verschlüsselt. Es sagt nichts darüber, wem die Seite gehört.

  • Unbekannte Domain

    konto-check.example gehört zu keiner Adresse, die Sie kennen.

Fiktive Adressen (.example) · nichts wird aufgerufen, die Zerlegung läuft im Browser

Auf dem Smartphone sehen Sie das Ziel, wenn Sie lange auf den Link tippen, ohne loszulassen. Noch sicherer: Portale grundsätzlich über ein gespeichertes Lesezeichen öffnen, nie über einen Link aus einer Mail.

05

Wenn doch geklickt wurde

Es passiert auch Vorsichtigen, gerade unter Zeitdruck. Entscheidend ist, was danach geschieht. Wer sofort meldet, gibt der IT die Zeit, ein Konto zu sperren oder ein Gerät zu isolieren, bevor sich ein Angriff ausbreitet.

01
Melden, sofort

Die IT oder Ihr IT-Dienstleister erfährt es in Minuten, nicht erst nach Feierabend. Je früher, desto kleiner der Schaden.

02
Passwort ändern

Wurde ein Passwort eingegeben: sofort ändern, auch überall dort, wo es ebenfalls genutzt wird. Laufende Sitzungen werden beendet.

03
Gerät isolieren

Wurde ein Anhang geöffnet: Gerät vom Netz trennen, eingeschaltet lassen, nichts löschen. Die IT sichert Spuren und prüft.

04
Geld zurückholen

Wurde überwiesen oder eine Karte eingegeben: sofort die Bank anrufen. Bei Betrug ist eine Anzeige bei der Polizei sinnvoll.

Sind personenbezogene Daten betroffen, etwa weil ein Postfach mit Befunden übernommen wurde, kommen Pflichten aus der DSGVO dazu. Vereinfacht, ersetzt keine Einzelfallprüfung:

Art. 33 DSGVO
Meldung an die Aufsichtsbehörde

Bei einer Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten unverzüglich und möglichst binnen 72 Stunden, nachdem sie bekannt wurde, es sei denn, sie führt voraussichtlich nicht zu einem Risiko. Auch ein gekapertes Postfach kann eine solche Verletzung sein.

Art. 34 DSGVO
Benachrichtigung der Betroffenen

Bei voraussichtlich hohem Risiko für die Betroffenen, etwa wenn Gesundheitsdaten abgeflossen sein könnten: unverzüglich und in klarer Sprache.

Art. 33 Abs. 5 DSGVO
Dokumentieren

Jeder Vorfall wird mit Fakten, Auswirkungen und Maßnahmen festgehalten, auch wenn am Ende keine Meldung nötig war.

Art. 32 DSGVO
Sicherheit der Verarbeitung

Technische und organisatorische Maßnahmen nach Stand der Technik und Risiko. Dazu können etwa Schulungen und eine Anmeldung mit zweitem Faktor gehören.

Wie die erste Stunde nach einem größeren Vorfall aussieht, wer wen anruft und wie der Betrieb weiterläuft, üben Sie im Leitfaden Notfallplan.

06

Schutz im Team

Technik fängt viel ab, das letzte Wort hat trotzdem ein Mensch vor dem Bildschirm. Gute Teams machen den sicheren Weg zum einfachen Weg:

Kurz und regelmäßig schulen

Lieber oft eine Viertelstunde an echten Beispielen aus dem eigenen Alltag als einmal im Jahr ein langer Vortrag. Neue Mitarbeitende von Anfang an.

Melden ohne Schuld

Wer klickt und es sofort sagt, hat richtig gehandelt. Ein Melde-Knopf im Mailprogramm und eine feste Ansprechperson senken die Schwelle.

Zweiter Faktor

Mit Anmeldung über einen zweiten Faktor reicht ein erbeutetes Passwort allein nicht mehr. Zuerst für Mail, Fernzugang und Abrechnungsportale.

Filter und Kennzeichnung

Spam- und Schadsoftware-Filter fangen viel ab, aber nicht alles. Ein Hinweis „Extern“ in der Betreffzeile hilft beim zweiten Blick.

Rückruf-Regel für Geld

Geänderte Bankdaten, ungewöhnliche Zahlungen und Gutscheine immer telefonisch prüfen, über die bekannte Nummer, nach dem Vier-Augen-Prinzip.

Weniger Anhänge

Befunde und Arztbriefe über KIM und Schnittstellen statt als Mail-Anhang. Je seltener echte Anhänge kommen, desto auffälliger werden falsche.

Wie die Schutzschichten insgesamt zusammenspielen, von der Anmeldung bis zum Backup, zeigt der Leitfaden Sicherheit.

07

Wo WUNDigital hilft

08

So gehen wir vor

Auch beim Schutz vor Phishing folgen wir den drei Phasen jedes Projekts. Ihre Praxis- oder Pflegesoftware bleibt, wir bauen um sie herum:

  1. 01

    Analysieren

    Wir sehen uns an, wie Mail, Konten und Zahlungswege heute laufen: Wer darf Bankdaten ändern, wo fehlt der zweite Faktor, welche Befunde kommen noch als Anhang, und wer ist im Ernstfall erreichbar.

  2. 02

    Migrieren

    Postfächer, Konten und Abläufe ziehen schrittweise in eine sauber eingerichtete EU-Cloud: mit zweitem Faktor, Rollen und Protokollen, mit dem Einverständnis und der Akzeptanz Ihrer Mitarbeitenden.

  3. 03

    KI gezielt integrieren

    Erst dann ergänzt KI dort, wo sie hilft, etwa beim Vorsortieren eingehender Mails oder beim Erkennen auffälliger Rechnungen. Entscheiden und melden bleibt beim Menschen.

Mehr zu unserem Vorgehen

09

Häufige Fragen

Ich habe geklickt, aber nichts eingegeben. Muss ich das melden?

Ja, bitte. Schon der Aufruf einer Seite kann Schadsoftware nachladen, und die IT kann nur prüfen, was sie weiß. Melden ist kein Eingeständnis, sondern genau das richtige Verhalten.

Erkennt der Spamfilter das nicht sowieso?

Vieles, aber nicht alles. Gezielte Mails mit echten Namen oder aus gekaperten Postfächern kommen durch. Deshalb braucht es beides: Technik, die filtert, und ein Team, das hinsieht und meldet.

Wie prüfe ich eine geänderte Bankverbindung richtig?

Telefonisch, über die Nummer, die Sie schon vorher hatten: aus dem Vertrag, einer früheren Rechnung oder Ihrem Adressbuch. Nie über Kontaktdaten aus der Mail selbst und nie per Antwort auf die Mail.

Ist eine Phishing-Mail schon eine Datenpanne?

Nein, die Mail allein nicht. Wurden aber Zugangsdaten eingegeben, ein Postfach übernommen oder Schadsoftware ausgeführt, kann eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten vorliegen. Ob eine Meldung nach Art. 33 DSGVO nötig ist, bewerten Sie mit Ihren Datenschutzbeauftragten. Vereinfacht, ersetzt keine Einzelfallprüfung.

Wo finde ich weitere seriöse Hinweise?

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bietet Hinweise zu Phishing für Bürgerinnen und Bürger und für Organisationen. Auch Ihre Kammer, Ihr Verband oder Ihre Datenschutzaufsicht informieren regelmäßig.

Hilft WUNDigital auch bei der Schulung?

Ja. Wir schulen am eigenen System und an Beispielen aus Ihrem Alltag, kurz und mit Nachweis, und richten den Meldeweg so ein, dass er schneller ist als das Zögern.

Sie möchten Ihr Team schulen oder Ihren Meldeweg aufsetzen? Erstgespräch vereinbaren

STAND: OKTOBER 2026DOCS-START← ZUR STARTSEITE