// Werkzeug · Wer sieht was?

Wer sieht was? Zugriffsrechte nach dem Need-to-know-Prinzip.

Die Verwaltung braucht die Kassendaten, nicht das Wundfoto. Die Aushilfe am Wochenende braucht ihre Tour, nicht alle Akten. Legen Sie Rollen fest, sehen Sie, was jede Rolle in einer fiktiven Akte sieht, und finden Sie die Rechte, die zu weit gehen.

need-to-know: wer sieht was
verwaltung → kasse + abrechnung · keine wundfotospflege     → eigene tour · lesen + dokumentierenaushilfe   → ihr wochenende · befristetit extern  → system, nicht akte · protokolliertnotfall    → break-glass · protokoll + nachkontrolleaustritt   → am letzten tag alles zu
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Warum Rechte eine Versorgungsfrage sind

In einem Pflegedienst oder einer Wundpraxis greifen viele Menschen auf dieselbe Akte zu: die Pflegefachkraft auf Tour, die Wundexpertin, die Verwaltung, die Leitung, am Wochenende eine Aushilfe, dazu ein externer IT-Dienstleister. Jede dieser Rollen braucht etwas anderes. Die Verwaltung braucht Kasse und Leistungsnachweis, die Pflege braucht Wundverlauf und Medikation, die IT braucht ein funktionierendes System, aber keine Diagnosen.

Wenn alle alles sehen, ist das bequem, bis etwas schiefgeht: ein Wundfoto, das weitergeleitet wird, ein Eintrag, den niemand gemacht haben will, eine Nachbarin, die in der Akte einer Bekannten liest. Gute Rechte schützen die Patientinnen und Patienten und das Team zugleich, weil klar ist, wer was getan hat und wer was nicht konnte.

Need-to-know heißt nicht „möglichst wenig“. Es heißt: genau das, was die Aufgabe braucht. Wer eine Wunde versorgt, muss den Verlauf dokumentieren können, sonst landet er auf Zetteln.

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Der Rahmen, vereinfacht

Die Grundsätze kommen vor allem aus der DSGVO und dem Strafrecht. Für Pflege und Praxis lassen sie sich auf wenige Sätze bringen:

Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO
Datenminimierung

Verarbeitet werden nur Daten, die für den Zweck nötig sind. Für Rechte heißt das: Jede Rolle bekommt, was ihre Aufgabe braucht.

Art. 5 Abs. 1 lit. f DSGVO
Integrität und Vertraulichkeit

Daten sind gegen unbefugten Zugriff zu schützen. Ein Konto, das jeder benutzt, schützt niemanden.

Art. 9 DSGVO
Gesundheitsdaten

Diagnosen, Wundfotos und Medikation gehören zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten und verlangen besonderen Schutz.

Art. 25 DSGVO
Datenschutz durch Technikgestaltung und Voreinstellungen

Ein neues Konto startet mit wenigen Rechten, nicht mit allen. Mehr gibt es auf begründete Anforderung.

Art. 32 DSGVO
Sicherheit der Verarbeitung

Zugriffskontrolle, Protokollierung und regelmäßige Überprüfung gehören zu den technischen und organisatorischen Maßnahmen.

§ 203 StGB
Schweigepflicht

Gilt für Pflegefachkräfte wie für Ärztinnen und Ärzte und erstreckt sich auf Gehilfen und mitwirkende Personen, etwa externe Dienstleister. Diese sind zur Verschwiegenheit zu verpflichten.

Vereinfacht dargestellt, ersetzt keine Rechtsberatung und keine Einzelfallprüfung.

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Die Linse: eine Akte, sieben Blicke

Links liegt eine fiktive Pflegeakte, rechts stellen Sie die Rechte ein. Wählen Sie eine Rolle, und die Akte zeigt sich so, wie diese Rolle sie sieht: Verborgenes wird geschwärzt, Bereiche mit Schreibrecht tragen einen Stift. Der Melder darunter leuchtet, wenn ein Recht zu weit geht oder für die Aufgabe nicht reicht.

Sie starten mit „alle dürfen alles“, wie es in vielen Betrieben nach der Installation aussieht. Bringen Sie den Melder auf Grün oder laden Sie den Vorschlag, und nehmen Sie das Ergebnis als Tabelle mit.

Interaktiv · Die Linse
Wählen Sie eine Rolle und ändern Sie die Rechte. Die Akte zeigt, was die Rolle sieht.
Rolle wählen

Verwaltung/Abrechnung rechnet mit den Kassen ab und pflegt Stammdaten.

Ansicht als
Verwaltung/Abrechnung
sieht 8/8
schreibt 8
Lindner, H. · Nord 2Brandt, K. · Süd 1Yıldız, A. · West 3Huber, E. · Nord 1

Reichweite: alle Patientinnen und Patienten des Dienstes

  • Stammdatenschreibt
    Hertha Lindner (fiktiv) · 81 J. · Am Mühlbach 7, Musterstadt · Kontakt: Tochter, Betreuerin
  • Versicherung/KVNRschreibt
    Musterkasse · KVNR Q000000000 · Pflegegrad 3
  • Diagnosenschreibt
    Diabetes mellitus Typ 2 · pAVK · Ulcus cruris rechts
  • Wundverlauf & Wundfotosschreibt
    KW 40
    KW 42
    Unterschenkel rechts, Belag rückläufig, Wundrand ruhig. Nächste Fotodoku in zwei Wochen.
  • Medikationschreibt
    Metformin 1-0-1 · ASS 100 1-0-0 · Schmerzmittel bei Bedarf
  • Abrechnungschreibt
    HKP-Verordnung liegt vor · Verbandwechsel im Leistungsnachweis · Rechnung Oktober offen
  • Notizen Sozialdienstschreibt
    Tochter wirkt überlastet. Gespräch zu Entlastungsangeboten vereinbart, finanzielle Sorgen angesprochen.
  • Tourenplanschreibt
    Tour Nord 2 · Mo–Fr 07:40 · Sa/So 08:15 · Schlüssel im Schlüsselkasten, Fach 4
Rechte von: Verwaltung
  • Stammdaten
  • Versicherung/KVNR
  • Diagnosen
  • Wundverlauf & Wundfotos
  • Medikation
  • Abrechnung
  • Notizen Sozialdienst
  • Tourenplan
Melder
8 zu weit · 0 zu eng
  • Zu weit: Verwaltung sieht Wundfotos

    Für die Abrechnung reichen Verordnung und Leistungsnachweis. Wundfotos sind Gesundheitsdaten und gehören nicht auf den Schreibtisch der Verwaltung (Datenminimierung).

  • Zu weit: Verwaltung sieht Medikation oder Sozialdienst-Notizen

    Medikationspläne und Notizen zu Familie, Geld oder Konflikten sind besonders heikel. Für Kassen und Rechnungen braucht sie niemand.

  • Zu weit: Aushilfe sieht alle Patienten statt nur die eigene Tour

    Wer am Wochenende eine Tour fährt, braucht die Menschen dieser Tour. Alles andere ist Neugier-Reichweite, und die Rechte sollten nach dem Dienst wieder enden.

  • Zu weit: IT-Dienstleister mit Lesezugriff auf Inhalte

    Für Wartung braucht es Systemrechte, keine Akteneinsicht. Ist ein Blick in Daten im Einzelfall nötig: begleitet, protokolliert, mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung und Verpflichtung zur Verschwiegenheit.

  • Zu weit: Praktikantin kann schreiben ohne Gegenzeichnung

    Wer lernt, darf dokumentieren, aber eine Fachkraft prüft und zeichnet gegen. Sonst stehen ungeprüfte Einträge in der Akte.

  • Zu weit: Praktikantin sieht alle Patienten

    Sie begleitet eine Tour. Mehr als die Menschen dieser Tour braucht sie nicht.

  • Zu weit: Pflege kann die Abrechnung ändern

    Wer versorgt, sollte Rechnungen nicht ändern können, und umgekehrt. Getrennte Schreibrechte schützen vor Versehen und machen Fehler nachvollziehbar.

  • Zu weit: Sozialdienst-Notizen offen für die Touren

    Nur wer die Inhalte für die Versorgung braucht, sollte sie lesen. Was die Tour wissen muss, gehört in die Pflegeplanung, nicht in fremde Notizen.

Als Berechtigungskonzept
Fiktive Akte und Rollen · vereinfacht, ersetzt keine Einzelfallprüfung · gespeichert nur in diesem Browser
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Typische Fehler

Ein Konto für alle

Das Team teilt sich eine Anmeldung, das Passwort klebt am Monitor. Wer was geändert hat, lässt sich nicht mehr sagen, und das Protokoll wird wertlos.

Alle Patienten für alle

Die Software kann Touren trennen, aber niemand hat es eingestellt. So sieht die Aushilfe auch die Nachbarin aus ihrer Straße.

Rechte wachsen, schrumpfen nie

Wer intern wechselt, behält die alten Rechte und bekommt neue dazu. Nach ein paar Jahren darf die Person fast alles.

Vertretung ohne Ende

Für den Urlaub einer Kollegin wird die zweite Tour freigeschaltet und danach nie wieder zu. Befristen kostet einen Klick.

Fernwartung mit Vollzugriff

Der IT-Dienstleister hat ein Administratorkonto mit Blick in alle Akten. Für Wartung reichen meist Systemrechte, begleitet und protokolliert.

Austritt ohne Liste

Konto, Postfach, Diensthandy, Schlüssel, Messenger und Freigaben liegen in verschiedenen Händen. Ohne Liste bleibt immer etwas offen.

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So entsteht ein Rollen- und Berechtigungskonzept

Ein Berechtigungskonzept muss nicht dick sein. Es beantwortet drei Fragen: Welche Rollen gibt es, was darf jede Rolle, und wer prüft das? Sechs Schritte reichen für den Anfang.

  1. 01

    Aufgaben statt Namen

    Leiten Sie Rollen aus Tätigkeiten ab: Wer versorgt, wer plant, wer rechnet ab, wer wartet. Personen bekommen Rollen, nicht Einzelrechte.

  2. 02

    Daten in Kategorien teilen

    Stammdaten, Versicherung, Diagnosen, Wundverlauf, Medikation, Abrechnung, Notizen. Was in Ihrer Software getrennt ist, lässt sich getrennt berechtigen.

  3. 03

    Matrix ausfüllen

    Pro Rolle und Kategorie: keine, lesen oder schreiben. Dazu die Reichweite: eigene Tour, eigener Wohnbereich oder alle.

  4. 04

    Sonderfälle regeln

    Vertretung befristet, Notfallzugriff nur mit Protokoll und Nachkontrolle, Adminrechte im Vier-Augen-Prinzip, Gegenzeichnung für Lernende.

  5. 05

    In der Software umsetzen

    Die Matrix wird in den vorhandenen Systemen eingestellt, Zugriffe werden protokolliert. Prüfen Sie stichprobenartig, ob die Einstellung greift.

  6. 06

    Regelmäßig prüfen

    In festen Abständen und bei jedem Wechsel: Stimmen die Rollen noch? Welche Konten haben Rechte, die niemand mehr braucht? Halten Sie das Ergebnis fest.

Fünf Regeln gehören in jedes Konzept, egal wie klein der Betrieb ist:

Protokollierung
wer · wann · was

Lesende und schreibende Zugriffe werden protokolliert. Das Protokoll schützt auch das Team, weil es zeigt, wer etwas nicht getan hat.

Vertretung
befristet

Rechte für eine fremde Tour enden automatisch mit dem letzten Vertretungstag, statt auf das Gedächtnis zu vertrauen.

Notfallzugriff
Break-Glass

Im Notfall darf jemand über seine Rolle hinaus lesen, aber nur mit Begründung, Protokoll und Durchsicht im Nachgang.

Adminrechte
Vier-Augen-Prinzip

Wer Rechte vergibt, tut das nicht allein. Eine zweite Person bestätigt Änderungen an Rollen und Administratorkonten.

Überprüfung
regelmäßig

Rollen, Konten und Freigaben werden in festen Abständen durchgesehen. Verwaiste Konten fallen dabei auf.

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Offboarding: der letzte Arbeitstag

Die meisten offenen Zugänge entstehen nicht beim Einstellen, sondern beim Gehen. Konto, Postfach, Diensthandy, Schlüssel, Messenger-Gruppen und Cloud-Freigaben liegen in verschiedenen Händen. Und wer die PIN des Institutionsausweises (SMC-B) kannte, kennt sie auch nach dem Austritt, bis sie geändert wird.

Spielen Sie es durch: Was schließen Sie am Freitag, und was ist am Montag noch offen?

Interaktiv · Der letzte Arbeitstag
FREITAG · 15:30Pflegefachkraft Jana K. (fiktiv) hat heute ihren letzten Arbeitstag. Haken Sie ab, was heute geschlossen wird.
0 von 7 geschlossen
Fiktive Person und Situation · vereinfacht

Eine Austrittsliste mit festen Verantwortlichen und Datum macht daraus Routine. Dieselbe Liste rückwärts gelesen ist Ihre Liste für den ersten Arbeitstag.

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Wo die Module ansetzen

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So gehen wir bei Zugriffsrechten vor

01 · ANALYSIEREN

Wir nehmen auf, welche Systeme Sie nutzen, welche Rollen es gibt und wer heute was sieht, inklusive Sammelkonten, Messenger und Freigaben.

02 · MIGRIEREN

Beim Umzug in eine EU-Cloud werden Rollen und Rechte sauber neu gesetzt, schrittweise und mit dem Einverständnis der Mitarbeitenden, die damit arbeiten.

03 · KI GEZIELT EINSETZEN

Erst dann kommt KI dazu, und sie bekommt dieselben Grenzen: Ein Assistent sieht nur, was die Rolle sehen darf, die ihn nutzt.

Ihre Pflege- oder Praxissoftware bleibt. Wir stellen ein, was sie kann, und bauen um sie herum, wo es fehlt. Mehr zu unserem Vorgehen

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Häufige Fragen

Ist ein Berechtigungskonzept Pflicht?

Die DSGVO schreibt kein Dokument mit diesem Namen vor. Sie verlangt aber, dass nur Befugte auf Gesundheitsdaten zugreifen und dass Sie das nachweisen können. Ein schriftliches Rollen- und Berechtigungskonzept ist dafür der übliche Weg, auch für die Rechenschaftspflicht.

Unsere Software kennt nur „Benutzer“ und „Administrator“. Was nun?

Dann beginnt die Arbeit bei den Möglichkeiten, die da sind: getrennte Konten statt Sammelkonto, Administratorrechte nur für wenige, Touren oder Wohnbereiche getrennt, wo es geht. Was die Software nicht kann, gehört in die Liste für die nächste Auswahl oder für eine Schnittstelle.

Darf die Pflegedienstleitung alles sehen?

Sie braucht viel, aber nicht automatisch alles. Für Planung und Qualität reichen oft Lesezugriffe. Notizen des Sozialdienstes oder Abrechnungsdetails sieht sie, wenn ihre Aufgabe es verlangt, und Änderungen an Rechten nimmt sie nicht allein vor.

Wie gehen wir mit dem externen IT-Dienstleister um?

Systemrechte für die Wartung, keine Akteneinsicht als Standard. Fernwartung nur auf Anforderung, begleitet und protokolliert. Dazu ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung und die Verpflichtung zur Verschwiegenheit, weil auch mitwirkende Personen unter die Schweigepflicht fallen.

Wer im Betrieb ist zuständig?

Die Verantwortung trägt die Leitung der Einrichtung. Umsetzen kann es eine benannte Person, etwa aus Verwaltung oder Qualitätsmanagement, beraten von der oder dem Datenschutzbeauftragten. Wichtig ist, dass Ein- und Austritte zuverlässig bei dieser Person ankommen.

Sie möchten wissen, wer bei Ihnen heute was sieht? Erstgespräch vereinbaren

STAND: OKTOBER 2026DOCS-START← ZUR STARTSEITE