// Leitfaden · Datenqualität

Saubere Daten zuerst: aufräumen, bevor etwas umzieht.

Doppelte Datensätze, veraltete Adressen, fünf Schreibweisen für dieselbe Krankenkasse: Was in alten Systemen schlummert, zieht sonst mit um. So bereinigen Sie Stammdaten, bevor Migration und KI darauf aufbauen.

waschstraße: fünf stationen
01vorwäsche      → formate: datum, telefon, leerzeichen02schreibweisen  → ein kostenträger, ein stammsatz03dubletten      → regeln schlagen vor, mensch entscheidet04pflichtfelder  → was fehlt, wird erfragt, nicht erfunden05veraltetes     → archivieren, wo eine frist gilt06danach         → migration · dann ki, gezielt
01

Garbage in, garbage out

In jeder Einrichtung, die seit Jahren mit derselben Software arbeitet, haben sich Altlasten angesammelt. Niemand hat sie absichtlich angelegt: Eine Klientin wird nach einem Krankenhausaufenthalt neu aufgenommen, statt die alte Karte zu reaktivieren. Eine Kollegin kürzt den Kassennamen ab, ein Kollege schreibt ihn aus. Ein Umzug landet auf dem Zettel statt im System. Solange alle wissen, welche Karte die richtige ist, funktioniert das. Spätestens beim Umzug in ein neues System oder beim Einsatz von KI funktioniert es nicht mehr.

Eine Migration kopiert, sie räumt nicht auf

Was im alten System doppelt, veraltet oder falsch steht, steht danach genauso im neuen. Nur schwerer zu finden, weil niemand mehr die Eigenheiten des Altsystems kennt.

KI arbeitet mit dem, was sie findet

Eine KI, die Dokumente zuordnet oder Abrechnungen prüft, kann nur so gut sein wie die Stammdaten dahinter. Zwei Karten für eine Person heißen: zwei halbe Geschichten.

Abrechnung und Versorgung hängen daran

Eine falsche Versichertennummer führt zur Absetzung, eine alte Adresse zur Leerfahrt, eine Dublette zu einem Befund in der falschen Akte.

Datenqualität ist der unsichtbare erste Schritt jeder Digitalisierung. Wer ihn überspringt, zieht seine Probleme mit um und bringt einer KI bei, mit ihnen zu arbeiten.

02

Typische Baustellen in Stammdaten

Stammdaten sind die Daten, die sich selten ändern und auf die sich alles andere bezieht: Klientinnen und Klienten, Patientinnen und Patienten, Kostenträger, Hausarztpraxen, Adressen. In Pflegediensten, Pflegeeinrichtungen und Praxen begegnen uns immer wieder dieselben sechs Baustellen:

Dubletten
Müller, Anna · Mueller Anna

Dieselbe Person mit zwei Karten, etwa nach einer Wiederaufnahme, einem Umzug oder einem Tippfehler. Befunde und Leistungen verteilen sich dann auf beide.

Viele Schreibweisen
„RAK“ · „Rheinaue KK“ · „Rheinaue-Krankenk.“

Derselbe Kostenträger, dieselbe Straße, dieselbe Arztpraxis in fünf Varianten. Auswertungen und Schnittstellen sehen fünf verschiedene Dinge.

Uneinheitliche Formate
1.2.45 · 01.02.1945 · 1945-02-01

Datumsangaben, Telefonnummern, Groß- und Kleinschreibung, Leerzeichen am Ende. Für Menschen lesbar, für Maschinen ein Hindernis.

Lücken in Pflichtfeldern
Versichertennr.: (leer)

Fehlende Versichertennummern, fehlende Hausarztangaben, fehlende Notfallkontakte. Oft fällt es erst auf, wenn jemand die Angabe dringend braucht.

Veraltete Datensätze
Versorgung beendet 2023

Klientinnen und Klienten, die verstorben oder umgezogen sind, stehen weiter in der aktiven Liste: in der Tourenplanung, in Auswertungen, in Zugriffsrechten.

Freitext statt Feld
Bemerkung: „Allergie Pflaster!!“

Wichtiges steht im Bemerkungsfeld statt im dafür vorgesehenen Feld. Keine Regel und keine Schnittstelle findet es dort zuverlässig.

Einzeln wirkt jeder Fehler harmlos. Teuer wird er durch das, was er auslöst. Stoßen Sie den ersten Stein an und sehen Sie, wie aus einem falschen Feld eine Kette von Folgen wird, und wo eine einfache Regel sie stoppt:

Interaktiv · Fehlerkette
  1. 01 · ZAHLENDREHER

    Bei der Aufnahme werden zwei Ziffern der Versichertennummer vertauscht. Niemand merkt es, die Karte sieht vollständig aus.

  2. 02 · ABRECHNUNG

    Die Leistungen des Monats gehen mit der falschen Nummer an die Kasse.

  3. 03 · ABSETZUNG

    Die Kasse kann die Positionen keiner versicherten Person zuordnen und weist sie ab oder setzt sie ab.

  4. 04 · RÜCKFRAGE

    Im Büro sucht jemand den Fehler, gleicht mit Verordnung und Karte ab und korrigiert den Stammsatz.

  5. 05 · NACHARBEIT

    Die Rechnung wird neu gestellt. Das Geld kommt später, und die Zeit fehlt an anderer Stelle.

Wählen Sie einen Fehler und stoßen Sie den ersten Stein an. Jede Folge wird darunter erklärt.

Fiktive Beispiele · vereinfacht, ersetzt keine Einzelfallprüfung
03

Die Stammdaten-Waschanlage

So bereinigen wir Stammdaten: in festen Stationen, jede mit eigenen Regeln, und mit einem klaren Halt dort, wo ein Mensch entscheiden muss. Probieren Sie es an vierzehn Karteikarten eines fiktiven Pflegedienstes aus. Starten Sie Station für Station oder lassen Sie alles durchlaufen, und öffnen Sie danach einzelne Karten, um zu sehen, was sich geändert hat.

Interaktiv · Waschanlage

14 Karteikarten warten am Eingang. Starten Sie die Stationen einzeln oder lassen Sie alles durchlaufen. An Station 3 hält das Band: Dort entscheiden Sie.

12345ARCHIV
  1. 01Vor­wäsche
  2. 02Schreib­weisen
  3. 03Dub­letten
  4. 04Pflicht­felder
  5. 05Ver­altetes
Ein Pflegedienst will in die Cloud umziehen. Vorher kommen seine Stammdaten durch die Waschanlage: Klientinnen und Klienten, Kostenträger, Hausarztpraxen, Adressen. Jede Station prüft eine Qualitätsdimension, rechts sehen Sie, wie sie steigt.
sauber
1 / 14
60 %
Qualität
  • Format36
  • Einheitlichkeit21
  • Eindeutigkeit86
  • Vollständigkeit79
  • Aktualität79
Karteikasten · Karte antippen für alle Felder
Fiktiver Pflegedienst, fiktive Personen und Kassen · Ähnlichkeitswert vereinfacht

Die Stationen arbeiten unterschiedlich. Formate und Schreibweisen lassen sich mit Regeln vereinheitlichen, die einmal festgelegt und dann immer gleich angewendet werden. Bei Dubletten helfen Ähnlichkeitsverfahren und KI, Kandidaten zu finden. Sie sehen aber nicht, dass zwei Karten zu Vater und Sohn gehören. Fehlende Angaben kann keine Regel erfinden, sie werden erfragt. Und ob eine Karte archiviert oder gelöscht wird, folgt aus Fristen, nicht aus dem Gefühl, dass sie alt ist.

04

Die Regeln dahinter, vereinfacht

Datenqualität ist nicht nur eine Frage der Ordnung. Die DSGVO verlangt richtige und aktuelle Daten, und für Gesundheitsdaten gelten Aufbewahrungsfristen, die beim Aufräumen nicht verletzt werden dürfen. Die Übersicht ist bewusst vereinfacht und ersetzt keine Einzelfallprüfung.

Richtigkeit
Art. 5 Abs. 1 lit. d DSGVO

Personenbezogene Daten müssen sachlich richtig und, wo nötig, auf dem neuesten Stand sein. Unrichtige Daten sind unverzüglich zu berichtigen oder zu löschen. Datenqualität ist damit keine Kür, sondern ein Grundsatz.

Datenminimierung
Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO

Nur Daten, die für den Zweck nötig sind. Die Bereinigung ist ein guter Anlass, Felder abzuschaffen, die niemand braucht, statt sie mit umzuziehen.

Speicherbegrenzung
Art. 5 Abs. 1 lit. e DSGVO

Personenbezogene Daten werden nicht länger aufbewahrt, als es der Zweck erfordert. Danach wird gelöscht, außer eine Aufbewahrungspflicht steht dagegen.

Aufbewahrung
§ 630f Abs. 3 BGB

Die Behandlungsdokumentation ist in der Regel zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung aufzubewahren, soweit andere Vorschriften keine anderen Fristen vorsehen. Für Pflegedokumentation, Abrechnungs- und Personalunterlagen gelten je nach Art unterschiedliche Fristen.

Archivieren statt löschen
Solange eine Pflicht gilt

Endet die Versorgung, wird die Karte nicht gelöscht, sondern archiviert: aus der aktiven Liste heraus, mit eingeschränktem Zugriff, unverändert. Das Recht auf Löschung tritt zurück, solange eine gesetzliche Aufbewahrungspflicht besteht.

Berichtigen mit Historie
§ 630f Abs. 1 BGB

In der Patientenakte müssen bei Änderungen der ursprüngliche Inhalt und der Zeitpunkt der Änderung erkennbar bleiben. Für Stammdaten empfiehlt sich dasselbe: bereinigen heißt berichtigen, nicht überschreiben.

Löschkonzept
Regeln statt Einzelfall

Welche Datenart, welche Frist, ab welchem Ereignis, wer löscht und wie wird es nachgewiesen. Das gilt auch für Sicherungen und Altsysteme, die nach dem Umzug abgeschaltet werden.

05

Wer entscheidet

Eine Bereinigung verändert Daten, mit denen andere jeden Tag arbeiten. Deshalb ist vorher geklärt, wer was entscheiden darf, und niemand muss allein über Zweifelsfälle urteilen.

Datenverantwortliche je Bereich

Für jeden Stammdatenbereich gibt es eine zuständige Person: etwa die Verwaltung für Kostenträger, die Pflegedienstleitung für Klientinnen und Klienten. Sie entscheidet über Regeln und Zweifelsfälle.

Vier-Augen-Prinzip beim Zusammenführen

Regeln und KI schlagen Dubletten vor, ein Mensch entscheidet, eine zweite Person gibt frei. Jede Zusammenführung wird protokolliert und bleibt umkehrbar.

Zuordnungstabellen einmal freigeben

Welche Schreibweise auf welchen Kostenträger zeigt, wird einmal geprüft und freigegeben. Danach gilt die Tabelle für alle Karten, auch für neue.

Datenschutz beim Löschkonzept

Was archiviert und was gelöscht wird, legen Sie mit Ihren Datenschutzbeauftragten fest. Löschungen werden dokumentiert, Archivzugriffe protokolliert.

Und die Menschen, die täglich Daten erfassen, gehören von Anfang an dazu. Sie wissen, warum es drei Schreibweisen gibt, und sie sind es, die dafür sorgen, dass keine vierte dazukommt.

06

Wo die Module ansetzen

07

So gehen wir vor

Eine Bereinigung ist ein überschaubares Projekt mit festen Schritten, kein Dauerzustand:

  1. 01

    Bestand vermessen

    Wie viele Karten, welche Felder, wie oft leer, wie viele Schreibweisen? Ein Datenprofil zeigt, wo es wirklich hakt, bevor jemand eine Zeile ändert.

  2. 02

    Regeln festlegen

    Formate, Zuordnungstabellen, Pflichtfelder und Fristen werden mit den Zuständigen abgestimmt und aufgeschrieben.

  3. 03

    Probelauf auf einer Kopie

    Die Waschanlage läuft zuerst auf einer Kopie. Ihr Team sieht jede vorgeschlagene Änderung, bevor sie im Original landet.

  4. 04

    Entscheiden und bereinigen

    Dubletten werden im Vier-Augen-Prinzip entschieden, Rückfragen geklärt, Veraltetes archiviert. Alles mit Historie.

  5. 05

    Die Quelle absichern

    Prüfregeln bei der Eingabe und eine zuständige Stelle für Stammdaten sorgen dafür, dass es sauber bleibt.

Im Gesamtbild gehört die Bereinigung zur ersten Phase. Sie ist das „Vorher“ jeder Migration und die Voraussetzung dafür, dass KI später verlässlich arbeitet.

01 · ANALYSIEREN · HIER

Systeme und Datenwege aufnehmen, Datenqualität messen und die Stammdaten bereinigen: gemeinsam mit den Menschen, die täglich damit arbeiten.

02 · MIGRIEREN

Erst die sauberen Daten ziehen um, schrittweise, in die EU-Cloud oder auf Ihre Server, mit dem Einverständnis und der Akzeptanz der Mitarbeitenden.

03 · KI GEZIELT INTEGRIEREN

Auf sauberen Stammdaten kann KI zuverlässig zuordnen, vorschlagen und prüfen, eingebettet in die Abläufe, die schon da sind.

Wie es danach weitergeht: Cloud-Migration · Mehr zu unserem Vorgehen

08

Häufige Fragen

Können wir nicht erst umziehen und danach aufräumen?

Möglich ist es, aber es wird schwerer. Nach dem Umzug stecken die Fehler in mehr Systemen, und Schnittstellen verteilen sie weiter. Vor der Migration gibt es eine Quelle, ein Team, das die Daten kennt, und einen klaren Zeitpunkt. Wir empfehlen deshalb: erst waschen, dann umziehen.

Darf eine KI Dubletten automatisch zusammenführen?

Bei uns nicht. Regeln und KI finden Kandidaten und zeigen, warum sie ähnlich sind. Entschieden wird von einem Menschen, freigegeben von einer zweiten Person. Die Waschanlage zeigt, warum: Ein hoher Ähnlichkeitswert kann auch Vater und Sohn bedeuten.

Dürfen wir alte Klientendaten einfach löschen?

Nicht einfach. Zuerst wird geprüft, ob eine Aufbewahrungspflicht gilt, etwa für die Behandlungsdokumentation. Solange sie läuft, wird archiviert. Was keiner Frist mehr unterliegt, wird nach Ihrem Löschkonzept gelöscht und die Löschung dokumentiert. Die Bewertung im Einzelfall gehört in juristische Hände.

Ersetzen Sie dafür unsere Pflege- oder Praxissoftware?

Nein. Ihre Software bleibt. Wir arbeiten mit Exporten auf einer Kopie oder über die Schnittstellen, die Ihre Software anbietet. Korrekturen fließen über die vorgesehenen Wege zurück, und wo das nicht geht, als geprüfte Korrekturliste für Ihr Team.

Wer sieht unsere Daten während der Bereinigung?

Nur die Personen, die es für die Aufgabe brauchen, auf Grundlage eines Vertrags zur Auftragsverarbeitung, in Rechenzentren in der EU und mit protokollierten Zugriffen. Wo es für Tests reicht, arbeiten wir mit pseudonymisierten Daten.

Wie bleiben die Daten danach sauber?

Mit Prüfregeln bei der Eingabe, einer zuständigen Stelle für Stammdaten und kurzen, regelmäßigen Prüfläufen. Die Waschanlage wird so vom Großputz zur Routine.

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STAND: OKTOBER 2026DOCS-START← ZUR STARTSEITE